Können physische Edelmetalle nachhaltig sein?
BayernLB

Können physische Edelmetalle nachhaltig sein?

Mittlerweile ist das Thema Nachhaltigkeit ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft geworden. Auch Privatkunden haben die Möglichkeit, unter nachhaltigen Aspekten zu investieren.

Die Finanzbranche bietet dafür ein sehr großes ESG-Produktportfolio (Environment, Social, Governance als Anlagekriterien) zur Auswahl an. Egal für welche Assetklasse. Aber können auch physische Edelmetalle, also Anlagebarren und -münzen, nachhaltig sein? Eine kleine Zusammenfassung soll Aufklärung geben und Ihnen bei den Gesprächen mit Ihren Kunden helfen.

Schwierige Ausgangssituation

Das Gold sowie die Weißmetalle Silber, Platin und Palladium, unter zum Teil schwierigen Bedingungen gefördert werden, ist Fakt. Umweltzerstörung, Geldwäsche, Kinderarbeit, Verletzung der Menschenrechte und Finanzierung von Terrorismus oder auch (Bürger-)Kriege (Blutgold) tangieren die weltweite Förderung und stellen für die Edelmetallbranche Probleme dar. Beispielsweise der sogenannte Kleinbergbau, dieser ist teilwiese auch illegal. Doch wie kann man ethische und nachhaltige Aspekte in einem unübersichtlichen Markt strukturell mit ökologischen und sozialen Standards umsetzen und mit einem Qualitätslabel versehen?

Die LBMA-Zertifizierung

Um diese Probleme in den Griff zu bekommen, wurden von der OECD Richtlinien zur Gewinnung und Verarbeitung von konfliktfreiem Gold erstellt. Auf dieser Grundlage hat die edelmetallverarbeitende Industrie einen Leitfaden entwickelt, der die komplette Lieferkette des Goldes überwacht und kontrolliert. Dieser LBMA Responsible Gold Guidance der London Bullion Market Association dokumentiert detailliert den Begriff Lieferkette. Dies beinhaltet alle Produktionsvorgänge, teilnehmenden Organisationen und Akteure, eingesetzte Technologien, Offenlegung der Bezugsquelle (Minen) sowie Ressourcen. Auch der Austausch von Informationen und Dienstleistungen sind Teil davon. Also vom Abbau bis zum Endprodukt.

Aber wer ist die LBMA?

Die London Bullion Market Association koordiniert den Handel am London Bullion Market, den größten außerbörslichen Handelsplatz für physisches Gold. Zum Handel sind nur Barren von Herstellern zugelassen, die LBMA-zertifiziert sind. Stand 2020 sind dies 72 Barrenhersteller.

Was bedeutet eigentlich LBMA-zertifiziert?

Das Regulatorium der LBMA beinhaltet zwei Bereiche: 1) Das permanente Monitoring und die strengen Prüfungsverfahren auf Einhaltung der Standards. 2) Produzierte 400 oz Goldbarren müssen bestimmte Kriterien erfüllen. Diese sind definiert im Good Delivery Standard.

Öko-Gold - Siegel für das gute Gewissen?

Man möchte es kaum glauben, aber es gibt auch Fairtrade Gold bzw. Green Gold. Doch was genau steckt dahinter? Ab dem Frühjahr 2016 waren in Deutschland und bei der BayernLB Fairtrade Goldbarren zum Kauf erhältlich. Diese nach Fairtrade Standard gefertigten zertifizierten Feingoldbarren haben nur ein Gewicht von 1 g, 2g, 5 g und 10 g. Das Gold stammt aus der von Fairtrade zertifizierten Mine Macdesa in Peru. Die dortige Gemeinschaft erhielt von der Fairtrade Organisation zusätzlich eine Fairtrade-Prämie in Höhe von 2.000 USD/kg für soziale Gemeinschaftsprojekte. Aufgrund des geringen Goldoutputs der Mine (nur ein paar hundert kg p.a.) wurde die Produktion und Kooperation des Schweizer Herstellers ARGOR HERAEUS ab 2018 eingestellt. Auf Ersatz für die auslaufenden Fairtrade Goldbarren musste nicht lange gewartet werden. Fast nahtlos wurden die Auropelli-Goldbarren aus Responsible Gold/ Green Gold zum Kauf an geboten. Produziert werden die Auropelli Goldbarren in den Schmelzöfen der Tessiner Valcambi SA. Auch hier ist die Lieferkette transparent und kann nachverfolgt werden. Von der Minenförderung, über den Transport, der Raffination bis zum Handel. Das Gold stammt aus Minen in der Wüste von Nevada. Die angebotenen Goldbarrengrößen erstrecken sich von 1 g bis 100 g und liegen preislich leicht über einem herkömmlichen Goldbarren gleichen Gewichtes.

Fazit zur Nachhaltigkeit

Die BayernLB ist sich der ethischen und ökologischen Rolle als einer der größten globalen Edel metallgroßhändler bewusst und hat schon seit 2016 Fairtrade Gold/ Green Gold im Angebot. Als einzige deutsche Landesbank ist die BayernLB Member der LBMA (London Bullion Market Association) und das seit fast 20 Jahren. Ausschließlich wird Neuware von den LBMA-zertifizierten Herstellern gehandelt und über die Partnersparkassen an deren Privatkunden verkauft. Als einziger Handelspartner für den An- und Verkauf der Edelmetalle für das SOLIT Edelmetalldepot TARIF S gewährleistet die BayernLB auch hier die Nachhaltigkeit.

Autor: Olaf Tscherny, Abteilungsdirektor, Vertrieb Sorten & Edelmetalle, BayernLB // Quelle: Newsletter Financial Consultant