BayernLB

Huber SE: Die Wasser-Visionäre

„Umwelt verpflichtet“ lautet der Leitsatz des bayerischen Wasser- und Abwasserspezialisten Huber aus der Oberpfalz. Die Unternehmensgeschichte beweist, dass Ökologie und Ökonomie kein Widerspruch sein müssen. Von Ute Klein

© Michela Morosini

Katastrophennachrichten aus Deutschland. „Im Nordwesten wird das Wasser knapp“, meldet der Weser Kurier Anfang Juni und prophezeit „Trinkwasser-Engpässe“. Nur wenige Tage später legt Die Welt nach und titelt: „In Norddeutschland herrscht die größte Dürre seit 15 Jahren.“ Für Deutschland sind das eher ungewöhnliche Schlagzeilen. Denn verglichen mit anderen Regionen dieser Welt, leben die Bundesbürger quasi im Schlaraffenland – mit 188 Milliarden Kubikmeter Wasser, die ihnen die Natur jedes Jahr zur Verfügung stellt, von denen sie nur 25,1 Milliarden Kubikmeter verbrauchen.

Doch was in Deutschland im Überfluss vorhanden ist, fehlt andernorts auf dramatische Weise, mit verheerenden Folgen für die Bevölkerung. 3,6 Milliarden Menschen, also rund die Hälfte der Weltbevölkerung, leben laut aktuellstem Wasserbericht der Vereinten Nationen (UN) in Gebieten, die mindestens einen Monat pro Jahr unter Wassermangel leiden. Im Jahr 2050 werden es nach Prognosen der UN bereits 5,7 Milliarden Menschen sein. Und das, obwohl unser Blauer Planet mit sehr viel Nass gesegnet ist. Mehr als 70 Prozent der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt. Doch nur drei Prozent davon sind trinkbares Süßwasser, von denen wiederum bloß etwa ein Drittel für die Menschen erreichbar ist. Der große Rest ist gefroren – in den Polen und Gletschern dieser Welt.

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Belastet durch Schadstoffe, übermäßige Düngung und Pestizide, wird der Grundstoff allen Lebens immer knapper – auch, weil die Weltbevölkerung massiv wächst und der Durst von Tag zu Tag größer wird. Alle 24 Stunden nimmt die Zahl der Erdbewohner um 230.000 Menschen zu, pro Minute um fast 160. Dringender denn je sind deshalb Lösungen für den sparsamen und nachhaltigen Umgang mit der kostbaren Ressource gefragt. Zum Beispiel durch die Rückgewinnung und Kreislauführung von Wasser.

Auf solche Lösungen ist der BayernLB-Kunde Huber SE spezialisiert. Und das bereits seit beinahe 40 Jahren. Das Unternehmen mit Sitz im beschaulichen Berching bei Neumarkt in der Oberpfalz spielt in der Top-Liga seiner Branche. Mit mehr als 40.000 installierten Anlagen weltweit zählt der Mittelständler heute zu den international bedeutendsten Unternehmen in Sachen Wasseraufbereitung, Abwasserreinigung und Schlammbehandlung.

„Wir haben uns voll und ganz den Themen Wasser und Umwelt verschrieben“, sagt Firmenchef Georg Huber. „Mit unseren innovativen Technologien können unsere Kunden Wasser und Abwasser effektiver nutzen. Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit lassen sich so auf das Beste miteinander verbinden.“

Die Weichen für das erfolgreiche Geschäftsmodell stellten der Vater und der Onkel des heutigen Firmenchefs schon Anfang der 80er Jahre. Aus dem ehemaligen Zulieferer für die Bauindustrie machten sie eine Umwelttechnik-Firma, die sich auf die Entwicklung und Fertigung von Anlagen für die Prozesswasseraufbereitung und Abwasserentsorgung spezialisierte und 2006 dafür mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet wurde – eine der renommiertesten und am höchsten dotierten Öko-Auszeichnungen Europas.

Sohn Georg erinnert sich noch gut an die Anfänge. „Die Umweltbranche war für uns damals völliges Neuland“, sagt er. „1982 haben wir unsere erste Maschine zur Säuberung von Abwasser auf den Markt gebracht, den ROTAMAT. Ein Rechen, der in weiterentwickelter Form bis heute zum Einsatz kommt. Damals war die Maschine absolut revolutionär, weil sie alle wesentlichen Arbeitsschritte erstmals in nur einem Prozessvorgang erledigte, für den zuvor drei unterschiedliche Geräte gebraucht wurden. Für das Sieben, Waschen, Transportieren und Entwässern.“

Weitsichtig war nicht nur die Entscheidung der Firmenleitung, auf eine Branche zu setzen, die heute zur Lösung eines der drängendsten Probleme unserer Zeit beiträgt. Weitsichtig war auch die frühe Entscheidung für die Internationalisierung. „Wir sind bereits Mitte der 80er Jahre in den Export gegangen“, sagt Georg Huber. „Mittlerweile machen wir rund 80 Prozent unseres Geschäfts im Ausland.“

© Huber SE/Robert Freygang

Durch seine globale Präsenz kann das Unternehmen zwischenzeitliche Konjunktureinbrüche wie etwa in Russland oder Brasilien gut auffangen. Aber das ist nicht der entscheidende Grund für die starke Fokussierung auf die Auslandsmärkte. „Deutschland ist sicherlich mit führend in unserer Branche, aber es ist eben nicht der wichtigste Absatzmarkt“, sagt Huber. „Für uns ist es deshalb sehr wichtig, die Probleme in anderen Märkten frühzeitig zu erkennen und diese dann in lösungsorientierte Produkte und Dienstleistungen umzusetzen.“

Etwa mit der „Plug and Play“ genannten Trinkwasseraufbereitungsanlage für den afrikanischen Markt. Eine standardisierte Containerlösung, die vor allem in entlegenen Ortschaften zum Einsatz kommt und die Bewohner vor kontaminiertem Oberflächenwasser schützt. Unter Verwendung spezieller Filter werden sie so mit reinstem Trinkwasser versorgt.

Auf den jeweiligen Markt zugeschnittene Lösungen sind der Erfolgsgarant des Unternehmens – ob mit relativ kleinen Kompaktanlagen für Afrika oder gleich im ganz großen Maßstab wie etwa in der kolumbianischen Millionenmetropole Medellín. Dort realisieren die Oberpfälzer gerade eine der größten Klärschlammverwertungsanlagen weltweit. Mit einer Kapazität von 400 Tonnen täglich. Auftragswert für die Gesamtleistung: 50 Millionen US-Dollar.

„So ein Projekt lässt sich nur gewinnen, wenn man vor Ort präsent ist“, sagt Huber. „Man muss die lokalen Gegebenheiten ganz genau kennen.“ Denn Wasser und auch Abwasser ist ein regional sehr unterschiedliches Geschäft. „In Kolumbien waren wir bereits seit vielen Jahren mit einem Vertriebspartner vertreten“, sagt Huber. „Dadurch bekamen wir dann auch die Gelegenheit, unser Konzept bei dem staatlichen Versorger Empresas Públicas de Medellín vorzustellen. Und haben die Entscheider letztendlich überzeugt.“

Gepunktet hat Huber in Kolumbien mit einer intelligenten Gesamtlösung: einer Kombination aus Kraft-Wärme-Kopplung und Klärschlammtrocknung, die es nicht nur ermöglicht, die Anlage energieautark zu betreiben, sondern die überschüssige Energie aus der thermischen Verwertung der Klärschlämme darüber hinaus auch noch an das öffentliche Stromversorgungsnetz abzugeben.

Gerade in den boomenden Mega-Citys Lateinamerikas und auch Asiens steigt der Bedarf an solch klugen Systemen. „In Europa hatten wir 150 Jahre Zeit, eine Infrastruktur für Wasser und Abwasser aufzubauen“, sagt Georg Huber. „Doch in den stark wachsenden Mega-Citys kann man ein derart komplexes System nicht über Nacht schaffen. Dort müssen andere Konzepte greifen. Das Modell der Zukunft sind kleinräumige Wasserkreisläufe. Das heißt, man muss das Wasser möglichst wieder dort in den Kreislauf bringen, wo es entnommen wurde.“

Das ergibt Sinn, auch unter ökonomischen Gesichtspunkten. Denn 80 Prozent der Kosten für die Abwasserreinigung entfallen auf Investitionen ins Kanalnetz und den Transport, also um das Wasser durch das Kanalsystem zur zentralen Kläranlage zu pumpen. Viel besser und auch wirtschaftlicher ist die Prozessregelung an Ort und Stelle: Verbrauch und Reinigung, Konsum und Recycling. Eben alles in „möglichst kleinen Kreisläufen“, wie es Huber formuliert.

© Michela Morosini

Wenn Eberhard Sasse und Peter Driessen, die beiden Vorstände des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags, in ihrer Broschüre „Umwelttechnologie aus Bayern“ postulieren, dass die Unternehmen aus dem Freistaat über sehr viel Know-how und Expertise zur Bewältigung der globalen Herausforderungen wie Klimawandel und Urbanisierung verfügen, dann denken sie dabei vor allem an Mittelständler wie Huber. Und es ist deshalb wohl kein Zufall, dass die Oberpfälzer auch bei einem bayerischen Prestigeprojekt mit von der Partie sind: beim Bau des Museums der Bayerischen Geschichte in Regensburg.

Dort kommt künftig das patentierte „Therm-Win“-Verfahren von Huber zum Einsatz. Eine nachhaltige und innovative Systemlösung, die es ermöglichen wird, das neue Gebäude je nach Bedarf und ohne Einsatz fossiler Energieträger zu heizen oder zu kühlen – ganz allein durch die Nutzung der thermischen Energie, die im Abwasser steckt. Für einen Museumsbau mit seinen besonderen Ansprüchen in Bezug auf eine konstante Temperatur bei stark wechselnden Besucherströmen eine echte Herausforderung. Aber für Huber technisch kein Problem.

Ein bisschen symbolträchtig ist der Auftrag in Regensburg außerdem. „Es lassen sich ja durchaus so einige Parallelen zwischen der Entwicklung unseres Landes und der unseres Unternehmens ziehen“, sagt Georg Huber. „Denn wir sind als Firma einen ganz ähnlichen Weg gegangen wie Bayern. Aus dem ehemaligen Agrar- und Handwerkerland ist längst ein Hightech-Standort geworden. Und aus uns selbst, einer Familie, deren Vorfahren früher einmal als Kupferschmiede und Landwirte tätig waren, hat sich ein technischer Vorreiter im Wasser- und Abwasserbereich entwickelt.“

Auch wenn es um die Beseitigung so problematischer Stoffe wie Medikamentenrückstände oder Mikro-Plastikteile im Abwasser geht, spielt Huber ganz vorne mit. Die hauseigene Forschungsabteilung arbeitet unter anderem mit Membrantechnologie und Sandfiltration in Kombination mit Aktivkohle. „Technisch ist das alles machbar“, sagt Huber. „Doch an erster Stelle muss die Vermeidung stehen. Man darf die Gesellschaft nicht aus der Verantwortung nehmen, nur weil etwas technisch möglich ist.“

Das Unternehmen

Die Huber SE mit Sitz im bayerischen Berching in der Oberpfalz ist ein weltweit agierendes Unternehmen im Bereich Wasseraufbereitung, Abwasserreinigung und Schlammbehandlung

  • Mit mehr als 40.000 installierten Anlagen zählt der Mittelständler zu den international bedeutendsten Unternehmen seiner Branche.
  • Rund 700 Mitarbeiter entwickeln und fertigen in der hochmodernen Produktionsstätte am Firmenstammsitz innovative Produkte, projektieren und erstellen Systemlösungen für Kommunen und Industrie.
  • In rund 60 Ländern ist das seit fast 185 Jahren in Familienbesitz befindliche Unternehmen mit eigenen Tochterfirmen, Büros und Vertriebspartnern aktiv.
  • 2006 wurde die Huber Technology Stiftung gegründet, die über die Förderung verschiedenster Projekte das Bewusstsein für die kostbare Ressource Wasser erhöhen will und hervorragende Ideen prämiert.

weiter

Waren in der Vergangenheit Rechen und Siebe die mit Abstand verkaufsträchtigsten Produkte des Unternehmens, sorgt mittlerweile der Schlammbereich für das stärkste Wachstum. „Eine logische Entwicklung“, sagt Huber. „Denn je besser man filtert und Kläranlagen ausrüstet, desto mehr Schlamm fällt vor Ort natürlich auch an. Nur wurde das Problem der Entsorgung von den Verantwortlichen lange Zeit vernachlässigt. Jetzt rückt das Thema immer stärker in den Vordergrund. Und wir haben die richtigen Produkte dafür.“

Zum Beispiel die stark nachgefragte „Q-Press“ zur Schlammentwässerung, die in Kolumbien zum Einsatz kommt und auch für Deutschland interessant ist, weil die thermische Verwertung von Klärschlämmen und die damit einhergehende Phosphorrückgewinnung ihre große Zukunft noch vor sich haben dürften.

Denn als wichtiger Nährstoff für Pflanzen gilt das chemische Element mit der Ordnungszahl 15 mittlerweile als knapper Rohstoff, dessen Wiederverwertung für die Landwirtschaft immer stärker an Bedeutung gewinnt. So hat sich die Huber SE über die Jahre hinweg mit quasi phosphoreszierendem Weitblick, innovativen Produkten und einem zuverlässigen Service einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Bei ihren deutschen und europäischen Kunden, aber auch weltweit. „Huber ist heute eine echte Qualitätsmarke“, sagt der Firmenchef. In Bayern zu Hause, weltweit aktiv.

Der Markt

Wasser ist der Grundstoff allen Lebens, älter noch als das Sonnensystem. Doch die kostbare Ressource wird mit jedem Tag knapper.

33
Länder weltweit werden bis zum Jahr 2040 unter extremem Wassermangel leiden. Auch europäische Länder wie Spanien, Griechenland und die Türkei sind davon betroffen.

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Liter beträgt der Wasserverbrauch in Deutschland pro Kopf und Tag. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Der tatsächliche, sogenannte virtuelle Verbrauch liegt durch den Konsum von Autos, T-Shirts oder Lebensmitteln bei etwa 5.300 Litern.

17.196
Liter Wasser verschlingt allein die Produktion eines Kilos Schokolade. Für ein Kilo Rindfleisch sind 15.415 Liter Wasser nötig, für die Herstellung eines Baumwoll-T-Shirts immerhin 2.495 Liter. So trägt auch das wasserreiche Deutschland Mitschuld an der Wasserarmut weltweit.

69
Prozent beträgt in Deutschland der Anteil des Wassers, der qua Konsum aus anderen Ländern importiert wird. In Frankreich liegt die Quote bei 47 Prozent, in China bei zehn und in Indien bei drei Prozent.

33
Milliarden Kubikmeter kostbares Leitungswasser gehen jedes Jahr durch Leckagen verloren, genug, um den Verbrauch von New York City über 20 Jahre decken zu können. In Deutschland beträgt die Verlustrate sieben Prozent, in Entwicklungsländern bis zu 60 Prozent.