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Blickpunkt Wirtschaft

Blickpunkt Wirtschaft, anlassbezogene Vertiefung und weiterführende Analyse zu Konjunktur und (geld-) politischen Themen.

Lateinamerika: In schwierigem Fahrwasser (18.9.2019)

EU und Mercsour-Staaten einigen sich auf Freihandelsabkommen. Lateinamerika schwankt zwischen Hoffnung und Enttäuschung.

Kurz & klar

  • Kurz nach der Einigung auf ein umfassendes Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten wird dieses von beiden Seiten wieder in Frage gestellt.
  • China baut seinen Einfluss in Lateinamerika massiv aus und rückt in zahlreichen Ländern zum Haupthandelspartner auf. Gleichzeitig steigt die (einseitige) Abhängigkeit von China durch die Vergabe von Milliardenkrediten.
  • Seit Einbruch der Rohstoffpreise ist die Wirtschaft Lateinamerikas nicht wieder richtig in Fahrt gekommen. Daran hat auch der politische „Rechtsruck“ nichts geändert. Der Handelskonflikt USA vs. China trübt die konjunkturellen Aussichten zusätzlich.
  • Auch wenn die mittelfristigen Wachstumsaussichten bescheiden sind und die großen Volkswirtschaften (Argentinien, Brasilien, Mexiko) schwächeln, bietet die Region aufgrund ihres Rohstoffreichtums großes Potenzial.

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Fed-Preview: Zinssenkung inklusive Kommunikationsoffensive (13.9.2019)

Nächsten Mittwoch dürfte die Fed die Leitzinsspanne um weitere 25 BP senken. Außerdem erwarten wir, dass die Fed im Statement eine verstärkte Handlungsbereitschaft signalisiert.

Kurz & klar

  • Nächste Woche wird die Fed wohl die Leitzinsspanne um 25 BP auf 1,75 - 2,00% senken.
  • Die Kommunikation dürfte ebenfalls dovisher werden: Die Forward Guidance und die Punktewolke dürften bereits weitere Zinssenkungen in Aussicht stellen.
  • Auf Sechsmonatssicht erwarten wir zwei weitere Zinssenkungen.

Die Abwärtsrisiken sind seit der letzten Fed-Sitzung nennenswert angestiegen. Während die Minutes der letzten Sitzung die Interpretation der Juli-Zinssenkung als „Rekalibrierung der geldpolitischen Ausrichtung“ bzw. als „Anpassung zur Zyklusmitte“ bekräftigten, verstärkten sich seitdem die Abwärtsrisiken auf mehreren Ebenen. So betonte Fed-Chair Powell auf dem Jackson Hole Symposium, dass...

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EZB-Preview: Ein Päckchen - mit der Aussicht, ein Paket zu werden (6.9.2019)

Auf der Septembersitzung der EZB ist eine Zinssenkung nahezu sicher. Für ein neues QE-Programm scheint der Widerstand aber noch zu groß.

Kurz & klar

  • Auf der Septembersitzung wird die EZB mit einer Zinssenkung - verbunden mit einer Staffelung der Einlagezinsen - einen weiteren Lockerungsimpuls auslösen.
  • Entscheidender wird aber sein, dass die EZB künftige Handlungsfähigkeit demonstriert, indem sie ein mögliches QE-Programm prominent ins Schaufenster stellt.
  • Bis Jahresende rechnen wir mit einer Absenkung des Einlagesatzes auf -0,75%.

Auf der anstehenden Septembersitzung wird es wohl heiß hergehen. Die Themen auf dem Tisch sind vielfältig. Dass eine geldpolitische Lockerung bevorsteht, ist unstrittig. Spannend ist aber die Wahl der Instrumente und wie stark die EZB diese einsetzt. Zu folgenden Themenkomplexen dürften Entscheidungen anstehen:

  • Zinssenkung ja oder nein und wenn ja, wie deutlich
  • Mögliche entlastende Maßnahmen, um die negativen Nebeneffekte einer Zinssenkung im Bankensystem abzufedern (Staffelung der Einlagezinsen)
  • Beschluss von neuen Anleihekäufen unter möglicherweise anderen Leitlinien (neue Assetklassen oder Aufweichung der bisherigen Parameter im Anleiheuniversum)
  • Anpassung der Forward Guidance (insb. Zeitraum)

Daneben steht noch aus, ob die EZB stärker an einer Neudefinition ihres Inflationsziels feilen wird, und schließlich werden auf der Septembersitzung turnusgemäß die neuen Projektionen des EZB-Stabes veröffentlicht.

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Italien: Aufatmen in Rom und der EU (29.8.2019)

Die Regierungskrise scheint beendet und Salvini wird in die Opposition geschickt. Für Brüssel sind das zunächst gute Nachrichten.

Kurz & klar

  • Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) einigt sich mit Partito Democratico (PD) auf Koalition. Staatspräsident beauftragt bisherigen Premier Conte mit Regierungsbildung.
  • Neuwahlen sind zunächst vom Tisch und Innenminister Salvini muss mit seiner Lega in die Opposition. Er hatte die Regierungskrise ausgelöst.
  • In Brüssel und an den Finanzmärkten sorgt die Regierungsbeteiligung der erfahrenen und europafreundlichen PD für Erleichterung.
  • Im Herbst muss der Haushaltsentwurf für 2020 der EU zugeliefert werden. Das und die Halbwertszeit der Regierung dominieren die Stimmung an den Finanzmärkten.

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UK: Boris meint es ernst (29.8.2019)

PM Johnson hat gestern gezeigt, dass er auch eine Verfassungskrise in UK nicht scheut. Mit nur gut zwei Monaten bis zur Deadline geht die Brexit-Saga in die nächste (vielleicht letzte) heiße Phase.

Kurz & klar

  • Die Länge und vor allem das Timing der Aussetzung des britischen Unterhauses durch die Regierung unterstrichen gestern eindrucksvoll, dass Boris Johnson eine nie da gewesene Verfassungskrise in UK bei der Durchführung eines No Deals nicht scheut.
  • Bei allen Unwägbarkeiten spricht die von Johnson demonstrierte Entschlossenheit dafür, dass man sich auf das Szenario No Deal vorbereiten sollte.
  • Wie bereits im Vorfeld des Brexit-Referendums sind wir in Sachen No Deal nun in der probabilistischen Welt des Münzwurfes (50/50) angelangt.

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Fed-Preview: Zinssenkung als Risiko-Vorsorge (30.7.2019)

Am 31.07. dürfte die Fed die erste Zinssenkung durchführen und diese unter dem Gesichtspunkt der Risiko-Vorsorge verbuchen. Weitere Senkungen dürften im Statement bereits angedeutet werden.

Kurz & klar

  • Am Mittwoch dürfte die Fed die Leitzinsspanne um 25 Bp. auf 2,00% bis 2,25% senken.
  • Die aktuellen Wirtschaftsdaten machen eine Zinssenkung zwar noch nicht zwingend nötig. Die Fed wird sie aber wohl unter dem Gesichtspunkt der Risiko-Vorsorge durchführen.
  • Wir erwarten eine Anpassung der Forward Guidance, sodass das Statement weitere Zinssenkungen andeuten wird.
  • Auf 12-Monatssicht erwarten wir insgesamt vier Zinssenkungen.

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Bauinfrastrukturprogramm – doppelte Dividende für Deutschland? (24.7.2019)

Der Rückstau an Infrastrukturinvestitionen wäre dank Negativverzinsung deutscher Staatsanleihen „fast umsonst“ abzubauen, gäbe es keine Kapazitätsengpässe in der Bauindustrie.

Kurz & klar

  • Die Anzahl der Befürworter eines staatlichen Konjunkturprogrammes steigt. Dank Negativzinsen für deutsche Staatsanleihen könnte Deutschland seine Infrastruktur fast „umsonst“ auf Vordermann bringen.
  • Wegen ausgelasteter Kapazitäten am Bau dürfte ein Infrastrukturprogramm aber vorrangig preistreibend wirken und die Probleme im Wohnungsbau sogar verschärfen.
  • Um das Bauangebot zu erhöhen und damit dem Preisauftrieb entgegenzuwirken, wären mehr Kapazitäten und Arbeitskräfte in Bau und Handwerk erforderlich.

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Europas Schicksalswahl (16.4.2019)

Ende Mai wird das Europaparlament neu gewählt. Vor allem europaskeptische Gruppierungen dürfen auf Zugewinne hoffen und die Stoßrichtung für die gemeinsame europäische Zukunft maßgeblich beeinflussen.

Kurz & klar

  • Vom 23. bis 26. Mai finden die Europawahlen statt, bei denen eine starke Polarisierung zwischen europafreundlichen und -skeptischen Kräften erwartet wird.
  • Die EU-Skeptiker sind Umfragen zufolge noch weit von einer Vetomacht entfernt. Für die etablierten Kräfte wird es aber schwieriger, Mehrheiten zu finden; erste Herausforderung wird die Wahl des Kommissionspräsidenten.
  • Die Einwanderung bleibt die dringlichste Sorge der EU-Bürger. Terrorismus und öffentliche Finanzen folgen auf den Plätzen zwei und drei.
  • Der Einfluss auf die Finanzmärkte ist begrenzt, ein Scheitern des EVP-Spitzenkandidaten Weber könnte jedoch zu einer Ausweitung der Peripherie-Spreads führen. Im Risiko-Szenario „Vetomacht EU-Skeptiker“ würde der Stillstand im Integrationsprozess die Unsicherheit für Investoren deutlich erhöhen.

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Handelsstreit: Einigung zwischen China und USA in Sicht? (26.3.2019)

Aktuell herrscht eine Eskalationspause zwischen China und den USA, in der Verhandlungen geführt werden. Trotz weiterhin ungeklärter Streitpunkte erwarten wir, dass es bald zu einer Einigung kommt.

Kurz & klar

  • Nach etlichen Zolleinführungen letzten Jahres herrscht aktuell eine Eskalationspause zwischen den USA und China, in der Verhandlungen geführt werden. Falls diese jedoch scheitern, droht die USA Zölle gegen China anzuheben.
  • Während einige Zugeständnisse von Seiten Chinas gemacht wurden, gibt es weiterhin ungeklärte Streitpunkte, wie beispielsweise der Schutz des geistigen Eigentums.
  • Aufgrund der sich abschwächenden US-Konjunktur und des bevorstehenden Wahlkampfes erwarten wir, dass Trump sich mit Chinas Staatschef Xi bis Juni auf ein Handelsabkommen einigen wird.

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