Zinswende bremst deutschen Immobilienmarkt - Blickpunkt Die Woche
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Research

Zinswende bremst deutschen Immobilienmarkt

Es mehren sich Meldungen über einen Stimmungseinbruch am Wohnimmobilienmarkt. Wir werfen einen Blick auf die Zinsentwicklung und taxieren die Preisperspektiven. Zudem: Verbraucherpreise im Euro-Raum.

Nach den diversen Meldungen über einen starken Stimmungseinbruch am deutschen Wohnimmobilienmarkt, lohnt ein Blick auf die fundamentale Lage. Für den Wohnimmobilienmarkt ergibt sich aufgrund des stark gestiegenen Zinsniveaus – zehnjährige private Baudarlehen sind seit Jahresbeginn um 240 Basispunkte gestiegen und notieren laut Interhyp derzeit bei 3,4% – und der eingetrübten Konjunktur eine deutliche Abschwächung der positiven Preisdynamik im Jahresverlauf 2022.

Das grundsätzlich solide makroökonomische Umfeld für den dt. Wohnimmobilienmarkt bleibt dennoch bestehen. Aufgrund der niedrigen Arbeitslosenquote und der geringen Inanspruchnahme der Kurzarbeit zeigt sich noch eine ausreichende Nachfrage. Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden bleibt. Eine erste Folge der neuen Zinswelt wird daher sein, dass die Tilgungsraten bei Neuabschlüssen in Richtung 2% sinken (derzeit 3%). Auch die Laufzeiten der Baudarlehen werden in der Erwartung steigender Zinsen von heute durchschnittlich 14 Jahre in Richtung 20 Jahre tendieren. Zudem bleibt das Angebot an Wohnraum – v.a. in den Top-7-Städten – knapp.

Dementsprechend erwarten wir für 2022 einen landesweiten Anstieg der Wohnimmobilienpreise von 4,0%. Nach dem starken Anstieg der Wohnimmobilienpreise in Q1 2022 um knapp 11% ggü. Vj. beinhaltet dies jedoch eine deutliche Eintrübung im Jahresverlauf. Im Umfeld substanzieller Zinserhöhungen der EZB spricht für das kommende Jahr vieles für ein Ende des Booms bei den Preisen für Wohnimmobilien.

Der Wochenfahrplan
Neben den Verbraucherpreisen in Europa stehen der deutsche Arbeitsmarkt und US Auftragseingänge und Industrie-ISM auf dem Plan.

Lesen Sie weiter Zinswende bremst deutschen Immobilienmarkt (27.6. - 1.7.2022, Die Woche)

Weitere Ausgaben (Juni/Mai 2022)

Nach der EZB überraschen die US-Währungshüter mit einer Versteilung des Zinspfades. An der Umsetzung lässt sich noch zweifeln. Zudem: EZB-Sondersitzung, SNB-Zinsschritt, ifo Geschäftsklima und PMIs.
Fed: Verschärfter Kampf gegen die Inflation (20.6. – 24.6.2022, Die Woche)

Die Inflationsbekämpfung hat für Präsident Biden oberste Priorität und könnte eine Rücknahme der Strafzölle gegenüber China motivieren. Nächste Woche stehen die Meetings von Fed und BoE im Fokus.
USA: Inflation vs. Protektionismus (13.6. – 17.6.2022, Die Woche)

Der langsame Zinskurs der EZB wird zunehmend infrage gestellt - der Preisdruck heizt die Debatte über größere Zinsschritte an. Außerdem: Deutsche Industrie, US-Inflation und Fed-Update.
EZB-Preview: Zinsspekulationen (6.6. – 10.6.2022, Die Woche)

Staatliche Maßnahmen sollen der Inflation entgegenwirken – die Risiken bleiben aber aufwärtsgerichtet. In den USA stehen ISM-Indizes und der Arbeitsmarktbericht an. Außerdem: Russische Geldpolitik.
Inflation: Politik schreitet ein (30.5. – 3.6.2022, Die Woche)

Während die Wirtschaft zunehmend unter den Belastungen ächzt, sieht sich die Bank of England bei hoher Inflation zu Zinsanhebungen gezwungen. Zudem: ifo Geschäftsklima, PMIs und chin. Geldpolitik.
UK: Zwischen allen Stühlen (23.5. – 27.5.2022, Die Woche)

Die EU arbeitet am Öl-Embargo gegen Russland. Für Deutschland scheint das verkraftbar. Größere Probleme würde der Verzicht auf Gas machen. Zudem: US-Daten, Japan-BIP und Lagarde-Rede.
Gas-Embargo: Die größere Gefahr (16.5. – 20.5.2022, Die Woche)

Während die größte Europäische Notenbank sich nun langsam auf einen ersten Zinsschritt einstellt, ist die Fed trotz Wirtschaftsschwäche bereits voll im Anhebungs-Modus. Zudem: UK-BIP und US-Inflation.
EZB: Heißer Zinssommer steht ins Haus (9.5. – 13.5.2022, Die Woche)

Den dunklen Konjunkturwolken wird die Fed vorerst wohl wenig Beachtung schenken und das Zinsband um 50 Basispunkte straffen. Die deutsche Industrie dürfte wegen des Kriegs einen Rücksetzer erleiden.
Fed-Preview: Zinssprünge trotz BIP-Schwäche (2.5. – 6.5.2022, Die Woche)